Schadet die Wissenschaftskommunikation der Wissenschaft?

 — Ein Diskussionsvorschlag zum 11. Forum Wissenschaftskommunikation —

Wissenschaft verlangt eigentlich nicht viel: nach neuen Erkenntnissen zu suchen, und das methodisch und überprüfbar. In der Praxis allerdings ist das oft nicht so einfach, wie es zunächst klingt. Und ich behaupte: Der aufblühende Zweig der sogenannten Wissenschaftskommunikation erleichtert die Arbeit der Wissenschaft nicht etwa, sondern erschwert sie. Vielleicht schadet die Wissenschaftskommunikation der Wissenschaft sogar.

Wissenschaftler sind Entdeckungsreisende, ihre Arbeit ist ein Abenteuer und deshalb nicht vorhersehbar

Wohlgemerkt: Das Problem liegt nicht etwa in dem Ansinnen, Wissenschaft der Allgemeinheit zugänglich zu machen – das ist grundsätzlich löblich und wichtig. Wissenschaft hat die Macht, unser aller Leben zum Besseren zu verändern, und das gelingt umso besser und schneller, je schneller und besser wissenschaftliche Einsichten ankommen, bei Politikern, bei Entscheidungsträgern in Organisationen und Unternehmen, bei den Menschen ganz allgemein. Das Problem liegt anderswo: Weiterlesen

Schreibend Haltung entwickeln: Ein etwas anderer Schreib-Workshop

Wissenschaft und Demokratie

Wie die Wissenschaft ist die Demokratie gekennzeichnet durch ein ständiges Ringen um die (derzeit) besten Lösungen für Probleme. Damit das funktionieren kann, braucht es einige Voraussetzungen; manche in Institutionen und Prozessen, andere in den Menschen selbst, aus denen sich jede Gemeinschaft zusammensetzt. Denn nur wer weiß, was genau er denkt und warum er das tut, und wer das auch klar vermitteln kann, nur der kann sich wirklich mit anderen auseinandersetzen, kann diskutieren, Argumente prüfen und Folgen abwägen – und darum geht es in demokratischen wie wissenschaftlichen Meinungsbildungsprozessen. Zu respektieren, daß andere Menschen legitimerweise andere Meinungen haben, und trotzdem zur eigenen Meinung gerade auch dann zu stehen, wenn die nicht populär ist, diese Haltung braucht es in der Wissenschaft wie in der Demokratie. Totalitäre Herrschaftsformen beschneiden deshalb immer auch die Freiheit von Forschung und Wissenschaft. Und weil wir aus unserer Geschichte gelernt haben, wird die Forschungsfreiheit in Artikel 5 des Grundgesetzes besonders geschützt – gleich neben der Meinungsfreiheit, der Pressefreiheit und der Kunstfreiheit.

Mut und Meinung

Demokratie und Wissenschaft verlangen also vor allem eins: Haltung. Den dafür nötigen Mut kann man trainieren wie einen Muskel; entsprechende Methoden finden sich zum Beispiel in der sogenannten Positiven Psychologie. Man muß aber eben auch wissen, was man genau denkt. Das klingt selbstverständlich, doch ganz so einfach ist es nicht: Weiterlesen

Ab vom Main-Stream: Was Schreiben in den Wissenschaften mit Diversity zu tun hat

Ab vom Main-Stream: Veranstaltung des RKW-Kompetenzzentrums zum deutschen Diversity-Tag

Zum deutschen Diversity-Tag richtete das RKW-Kompetenzzentrum* eine besondere Veranstaltung aus, „Ab vom Main-Stream“ auf einem Schiff der Frankfurter Primus-Linie: auf festen Boden unter den Füßen verzichten, ganz wörtlich gegen den Strom schwimmen – und das dann auch noch in den Sonnenuntergang hinein. Verschiedene Redner skizzierten ihre Erfahrungen mit Vielfalt, nicht zuletzt wie die sich im Unternehmen verwirklichen läßt und welche Auswirkungen das hat. Auch ich habe meine Tätigkeit vorgestellt. Was aber hat denn nun Schreiben in den Wissenschaften mit dem zu tun, was neudeutsch Diversity genannt wird? Weiterlesen

How to get ahead with a PhD – und warum Promovierte sehr viel mehr auf dem Kasten haben, als die THE meint

Oh no, not again! Ehrlich, ich hab‘ weder was gegen academics.com noch gegen die Times Higher Education (THE). Aber die Facebook-Seite von academics.com hat gestern mal wieder zu einem Doktorandenthema auf die THE verwiesen, und ich finde mal wieder, daß die THE insofern viel zu kurz greift…

Worum geht’s? Die THE hat einen Beitrag veröffentlicht mit dem Titel: „How to get ahead with a PhD“. Der befaßt sich allerdings nun keineswegs damit, wie man etwa mit seinem hart erarbeiteten und schwer erlittenen Doktortitel Karriere macht in den Wissenschaften. (Sehr empfehlenswerte Lektüre ist insofern zum Beispiel „A PhD is not enough“ von Peter J. Feibelman.) Die THE kümmert sich um etwas ganz anderes: die sogenannte „employability“ von Promovierten im Wilden Westen des freien Arbeitsmarkts außerhalb der Hochschulen. Welche Eigenschaften bringt denn so ein fertiger Doktor mit, die ihn für potentielle Arbeitgeber besonders attraktiv machen könnten?  Weiterlesen