Lange Nacht der Demokratie in Murnau (Sa., 15.09.2018)

Für Eilige und Nicht- oder Nicht-Nur-Leser das Video (leider mit arg leisem Ton, weil sich das externe Mikro verabschiedet hatte):

Und hier der Text:

Demokratie ist mehr als ein Kreuzchen alle paar Jahre

Demokratie ist nicht immer einfach, weil Menschen nun einmal verschieden sind und oft verschiedene Auffassungen, Werte und Prioriäten haben. Genau deshalb ist Demokratie aber auch der wohl beste Weg, um immer wieder zu besseren Lösungen zu gelangen: durch inhaltliche Auseinandersetzung, durch Machtbegrenzung, durch Legitimation dieser Macht durch Wahlen und die Rückführung darauf – und nicht zuletzt gerade durch die Vielfalt, in der eine ungeheure Kraft zur Erneuerung liegt. (Was man inzwischen sogar im Unternehmensbereich verstanden hat und dort unter der neudeutschen Bezeichnung „Diversity“ pflegt.)

Lange Nacht der Demokratie in Murnau am 15.09.

Demokratie ist und verlangt aber sehr viel mehr als alle paar Jahre ein Kreuzchen zu machen. Demokratie braucht Bürger, die sie leben, jeden Tag und gerade auch dann, wenn’s schwierig wird. Am Samstag, 15.09.2018, ist Internationaler Tag der Demokratie, und deshalb wird an zehn Orten in Bayern die Lange Nacht der Demokratie begangen – unter anderem auch hier in Murnau. Das ist ein geschichtsträchtiger Ort, der immer wieder Aufrechte und Querköpfe angezogen und hervorgebracht hat, zum Beispiel Christoph Probst, der als Mitglied der Widerstandsgruppe Weiße Rose von den Nazis gehenkt wurde, oder Ödön von Horváth, der sich in seinen Stücken und Romanen u. a. mit faschistischen Entwicklungen auseinandergesetzt hat. Murnau hat aber auch eine ausgeprägte Nazi-Geschichte. Und heutzutage werden zwar mit großen Reden die Namen alter Nazis aus der Ehrenbürgerliste getilgt, aber demokratische Grundregeln längst nicht immer eingehalten. (Wie anderswo auch, weil Menschen Menschen sind, mit allen Fehlern.) Ein guter Ort also, um sich näher mit der Demokratie zu beschäftigen!

Ich trage mit zwei Veranstaltungen zur Langen Nacht der Demokratie bei: einer Spielerunde „Anno Domini“ (um 16.30 Uhr im bzw. vor dem KTM) und einer Mischung aus Vortrag und Mini-Workshop „Demokratie wagen: Mehr Mut!?!“ (19.30 Uhr im KTM).

Und hier noch ein Link zu einer anderen Veranstaltung, die ich Anfang des Jahres im Waschhäusl Pöcking geleitet habe und die thematisch durchaus verwandt ist: Schreibend Haltung entwickeln

Spielend zur Demokratie! Anno Domini

Demokratie heißt nicht zuletzt Selbstbestimmung der Menschen. Die bringt aber auch Verantwortung mit sich – zum Beispiel für die Weiterverbreitung von Behauptungen. Was das bedeutet, kann man spielend erleben: beim Wissens- und Bluff-Spiel „Anno Domini“.

 Vom Titel „Anno Domini“ darf man sich nicht abschrecken lassen: Denn wer meint, sowieso immer alles besser zu wissen als andere, der hat schon fast verloren. Zwar geht es zunächst einmal darum, Karten mit Ereignissen in eine zeitliche Reihenfolge zu bringen. Der Reiz besteht aber gerade darin, daß man immer wieder mit Dingen konfrontiert wird, zu denen man schlicht nichts weiß (zum Beispiel seit wann in China Schweine gezüchtet werden). Deshalb fabriziert jeder Spieler immer wieder Unsinn; und wenn man selbst an die Reihe kommt, muß man sich fragen: Zweifle ich die Kartenfolge auf dem Tisch an – oder spiele ich weiter? Verantwortung bringt das in jedem Fall mit sich, denn wenn man schiefliegt, gibt’s Strafkarten. Auch wenn man selbst richtig eingeordnet hatte…

Wir spielen in kleinen Runden an diversen Tischen, und damit jeder Spaß daran haben kann, sind die Themen gemischt (Deutschland, Europa, Natur, Erfindungen, Fußball). Geeignet für alle ab etwa 10 Jahren, die damit leben können, auch mal etwas falsch zu machen.

Ab 16.30 Uhr im Kultur- und Tagungszentrum bzw. davor
Kohlgruber Str. 1, Murnau

Demokratie wagen: Mehr Mut!?

Demokratie braucht viel mehr als Wahlen, parlamentarische Institutionen und Pressefreiheit: Vor allem braucht sie dringend Bürger, die denken, die kritisch sind und die auch ihre eigenen Vorurteile und persönlichen Wünsche hintanstellen können. Das hat die britische Philosophin Susan Stebbing geschrieben – 1939. Denken allein genügt aber auch im Jahr 2018 nicht: Man muß auch den Mut haben, entsprechend zu handeln.

Wofür genau braucht es Mut im demokratischen Alltag? Was passiert, wenn wir den vermissen lassen? Und wie kann man Mut stärken, in sich selbst und anderen? Diesen Fragen rücken wir zuleibe, in einer Mischung aus Vortrag und Mini-Workshop, kurz, knackig – und eigentlich sollte die Veranstaltung entsprechend mitten im Leben stattfinden, d. h. in der Fußgängerzone. Das wurde leider geändert.

Jetzt also:
19.30 Uhr im Kultur- und Tagungszentrum bzw. davor
Kohlgruber Str. 1, Murnau

Sehen wir uns?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.